Verhasste Tomaten

Die Emigration hat eine Normalität und wird nicht ständig in politischer Öffentlichkeit als Ausnahmezustand gelebt. Migration hat eine deutliche Einflussnahme auf die Persönlichkeit der Betroffenen, völlig unabhängig von der sozialen Schicht, in der sie sich vorher und nachher bewegen. Das gängige Klischee verbindet die Emigranten gerne mit einer geringen sozialen Wertigkeit innerhalb einer Gesellschaft. Ich habe eine Figur gewählt, welche diesem Klischee widerspricht und eine überdurchschnittliche Ausbildung und kulturelle Erziehung genossen hat.

Viele Emigranten verdrängen die Emigration und verhalten sch assimilierter und integrierter als die "Eingeborenen" selbst. Man möchte die Fremdheit ablegen, wie eine schlechte Kindheit. Aber die Fremdheit bleibt an einem haften. Mit den oberflächlichen Klischees von politisch artikulierter Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung hat das nichts zu tun.

Inhalt:

Sergius Borota, Dozent an einem biochemischen Institut, ist Mitte dreißig und alleinstehend. In regelmäßigen Abständen besucht er das Grab seiner jüdischen Mutter Ida Bluhm. Sie ist aus einem osteuropäischen in ein westeuropäisches Land ausgewandert, in dem Sergius als Emigrant in zweiter Generation aufgewachsen ist. In selbstverständlicher Vertrautheit berichtet er Ida über sein Leben, seine Beobachtungen und die Eigenheiten seiner Putzfrau. Er teilt ihr seine Gedanken über Musik und Philosophie mit und reflektiert über seine Arbeit, einem Forschungsprojekt zur Genstruktur der Tomaten. Ein wichtiger Vortrag in Turin soll einen weiteren Schritt in seiner Karriere setzen. Nach einem ausgelassenen Hipp-Hopp Tanz am Grab bricht etwas in Borota, seine Welt zerbröckelt. Er gesteht der Mutter seine Entlassung aus dem Institut, der Vortrag in Turin wird nicht mehr stattfinden.

Ein an Assimilation gebrochener und enttäuschter Mann verlässt den Friedhof.

 

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