I will survive
"I will survive" ist die erste Produktion von tjada. Der Autor Raoul Biltgen hat dieses Stück speziell für tjada geschrieben, eine kleine, aber feine Einstiegsproduktion, die trotz oder wegen der Überschaubarkeit eine besondere Herausforderung darstellt. Zugleich soll dies natürlich der Auftakt für viele weitere tjada-Produktionen sein und gibt dementsprechend unter Umständen einiges vor. Immerhin fand die Uraufführung von "I will survive" am Théâtre National de Luxembourg statt und soll anschließend auf "Tour" gehen.
Die Zuschauer befinden sich nicht im Theater oder einer Show, sondern besuchen einen Vortrag über AIDS, genauer: ein Mann, Martin Rehbein, erzählt von seiner eigenen AIDS-Erkrankung. Er erzählt aus seinem Leben, wie er sich infiziert hat, wie er gelernt hat, damit umzugehen, damit zu leben. Und daran zu sterben. Ein Erfahrungsbericht zum Zwecke der Aufklärung. Und: der Mann lebt von diesen Vorträgen, die er im gesamten deutschsprachigen Raum und auch schon mal darüber hinaus hält. Er lebt von der Krankheit, die ihn tötet.
Er ist das, was man allgemein als einen Helden unserer Zeit ansehen würde. Er ist sympathisch, kraftvoll, lässt sich nicht unterkriegen. Er lebt.
Und er lügt.
Im Laufe des Abends wird klar, dass er gar kein AIDS hat, nicht einmal infiziert ist. Er ist kerngesund. Er hat ganz einfach eine lukrative Marktlücke entdeckt, die nicht nur gut Geld bringt, sondern auch noch ein gewisses Ansehen, ja, Bewunderung. Er hat sich selber zum Vorbild erklärt. Bis zu diesem Abend. Denn das Erschreckende an seiner Geschichte ist für ihn weniger, dass es funktioniert, als vielmehr dass er immer mehr von seiner erfundenen Geschichte eingeholt wird, bis er sich in eine junge Frau, die tatsächlich HIV-positiv ist, verliebt. Was soll er tun? Sein Lügengebäude einfach so einstürzen lassen? Nein, dann wird sie ihn verachten. Immer so weiter leben? Wie kann er das, wo er sie doch liebt und das, besonders bei dieser Krankheit, die absolute Ehrlichkeit bedingt, die er als vermeintlich Kranker immer predigt. Und so bricht die Wahrheit an diesem einen Abend aus ihm heraus.
"I will survive" soll nicht vornehmlich ein Stück über AIDS sein, sondern über eine Lebenslüge. Er wird überleben. Nur will er das noch? Wär’s nicht besser, er würde seine Lüge zur Wahrheit machen?
Mehr dazu unter www.tjada.com
