Pressestimmen - Homo touristicus

„Alternative zum Verreisen

Schöner Erfolg für Constanze Dennig, von der im Mai immerhin zwei Stücke uraufgeführt wurden. „Himmel über Bagdad“, eine religiöse Farce mit Christus, Mohammed und Josua im „Theater im Keller“ ist abgelaufen: „Homo Touristicus“ auf der Ebene 3 des Schauspielhauses wird aber auch noch im Juni gespielt.

Wer die übliche Tourismusschelte fürchtet, kann beruhigt sein. Von Tourismus als Geschäft das die eigene Ware unweigerlich zerstört, ist nicht die Rede. Thema von Constanze Dennigs Stück ist vielmehr der allgemeine Klassifikationswahn, verkörpert durch Prof. Dr. Dr. Dr. Verdutzi Lothar und seiner Mitarbeiterin Frau Dr. Cymbalta. Die beiden deklinieren ihre Methode an 5 Touristenklassen von unten nach oben durch. Wie bei einem Supertheoretiker zu vermuten, fällt dem Professor zu den Proletariern am Meisten, zu den Oberschichttouristen am Wenigsten ein. Der Kritiker als Kleinbürger kommt glimpflich davon, Proletarier würden vielleicht indigniert auf Stephan Pinkers „Der Sprachinstinkt“ verweisen. Empörung ist aber überflüssig, Constanze Dennig nicht unwitziger Originaltext ist „politisch“ ausgewogener als die Inszenierung. Abgesehen davon geht es ihr weniger um reale Klassenverhältnisse, als das Literarisch-Skurrile. Giuseppe Rizzo spielt den Professor kongenial im knapp sitzenden Steireranzug. Wirklich sehenswert ist eine Margarethe Tiesel in Hochform und die Inszenierung für die immerhin der in London und Wien arbeitende Marc von Henning zeichnet. Er sorgt für einen Abend, der wie am Schnürchen abläuft, ganz einfach wirkt und eine Fülle an theatralischen Effekten bietet. Dank der Mithilfe von Christian Pölzer (Bühne, Kostüme, Grafik) überfrachten die Effekte niemals die kleine Ebene 3. Man wünschte sich auch wieder einmal eine der eleganten Arbeit von van Henning auf der großen Bühne.“   

                                                                  Korso,01.06.2007

 

„Zynische Wortmassage im Grandhotel zum Hirnriss

Constanze Dennigs „Homo Touristicus“ auf der Grazer „ebene 3“ entblößt sarkastisch Holiday – Halodris.

In den besten Momenten erinnert Constanze Dennigs jüngste Bühnenarbeit „Homo Touristicus“, uraufgeführt auf der ebene 3 des Grazer Schauspielhauses, an Loriots Nonsens-Dialoge mit Evelyn Hamann und Otto Grünmandls endlose Dozier-Übungen. Zumal das Stück eher ein Vortragswerk, ein Seminar über Holiday-Halodris ist, realisiert von Marc von Henning.

Ein ebenso hochgelehrter wie hirnrissiger arischer Herrenreiter der Wissenschaften namens Lothar Verduzzi (sehr subtil gespielt von Giuseppe Rizzo) setzt an zu geistigen Höhenflügen, um endlich detailliert Aufschluss zu liefern über die fünf touristischen Grundtypen. Assistiert wird er von einer ihn anschmachtenden Assistentin (wunderbar in ihrer Mimik Margarethe Tiesel), als Probanten müssen zwei eher proletarische Durchschnittstouristen herhalten (skurril gespielt vom Ehepaar Garzaner).

Das Resultat ist ein kurzweiliger Aufenthalt im Grandhotel zum Hirnriss mit inkludierter zynischer Wortmassage, bei der da und dort noch kräftiger geknetet werden könnte, aber ein Ausflug lohnt sich durchaus."

Kleine Zeitung, 11.5.2007

 

 

 

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