Bertl Mütter

Bertl Mütter weiß einen immer wieder zu verblüffen, er kommt vom Hundertsten ins Tausendste ins Millionste, ohne je einen Zusammenhang herzustellen und bringt eben dadurch die Zerrissenheit des Menschen in der heutigen Gesellschaft auf den Punkt, den er selbst so unübersehbar wie unerbittlich verkörpert.

Ich bin glücklich, in grotesk-pointierten, radikalsatirischen Lesungperformances mit diesem glücklichen Menschen auftreten zu dürfen. Der Vorarlberger Romancier Robert Schneider hat einmal nach einer solchen Veranstaltung Bertls Bescheidenheit gerühmt. Doch das stimmt allenfalls im Vergleich mit ihm selbst. Wer Mütters Bescheidenheit rühmt, soll sich einmal seine Homepage (muetter.at) ansehen. Wenn Bertl etwas nicht ist, dann ist es bescheiden, da ist er wie die aufgeblasene, platzen wollende Kuh. Aber er, Bertl, ist ein grandioser Mensch und Musiker, der aus seiner Posaune Töne herauskitzelt, die immer wieder verblüffen. Ein Magier unter den Blechbläsern. Da wäre jede falsche Bescheidenheit geheuchelt, weil da hebt man ab und schwebt davon.

Franzobel, 13.11.2004

Mütter spielt die Posaune exzellent und ist Solo echt humorvoll, fähig zu zeitgenössischem Posaunenspiel mit erfrischender Ironie. Ein Herz- und Lichtblick! (Hat nicht jemand Lust mit Bertl Mütter, dessen Statur der eines niedlichen Dietmar Diesners entspricht, eine Konstellation mit dem etwas aus der Mode geratenen Dresdner Saxophonisten zu wagen?)

Oliver Schwerdt, Euphorium, Leipzig

Biographie

geboren 1965 in steyr. Im zentrum seiner musikalischen Arbeit steht das Solospiel, das sich auf vertraute und auch entferntere traditionen bezieht. Bertl M ütter spielt aber auch gerne in (kleinen) Gruppen (mrs bubble & bones, poem, timbre, duo cech-mütter... , wenn das auf einander Hören praktiziert wird. Er arbeitet mit den autoren Franzobel, Josef Haslinger und Gert Jonke, sowie mit der Lichtkünstlerin Victoria Coeln zusammen.

Bertl M ütter gilt heute als der große österreichische Posaunenindividualist, der sein Publikum mit seiner sehr persönlichen Musik zu bannen versteht. Konzertreisen führen ihn in die ganze Welt. 2001 präsentierte er seine staunen machende Nachkomposition der schubertschen Winterreise einem vorerst irritierten, dann umso begeisterteren Publikum. Nach der akklamierten Solo-Cd Parlando, folgte 2005 Mütters Müllerin. Im rahmen und als Auftrag der Styriarte wurde 2006 Mütters Dichters Liebe (nach Schumann nach Heine) uraufgeführt und 2007 für Cd aufgenommen.

Staatsstipendium für Komponistinnen und Komponisten 2002, Anton Bruckner Stipendium 2003, Komponistenforum Mittersill 2003, Arbeitsstipendium des Bundes 2005.

 

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