Franzobel & Mütter - Pressestimmen
"Kiel - Weihnachten also, das Herzstück deutscher Innerlichkeit. Und dann kommen da zwei Österreicher her in den höheren Norden, machen Witze über die schöne Stadt Kiel und ihre Höhenlage und hauen so ganz nebenbei alles in Klump, was dem deutschen Weihnachtsgemüt lieb und teuer ist. Und dafür bekommen sie auch noch Applaus vom amüsierten Publikum im gut besuchten Kulturforum. Unerhört!
Kein Zweifel, mit dem Duo Franzobel und Bertl Mütter haben die Veranstalter, das Literaturhaus und Eckart Cordes mit der Buchhandlung Dawartz, einen Glücksgriff getan. Ihre Weihnachtsorgie blies den ganzen Gold- und Silberstaub von der mit Weihnachtsschnickschnack dekorierten Bühne, von den Sperrholztannen und -elchen eines bekannten skandinavischen Möbelhauses, den silbernen Bäumchen und dem überdimensionalen, aufblasbaren Weihnachtsmann. Dem ging schon zu Beginn der lyrisch-musikalischen Performance die Luft aus. Er durfte am Schluss aber zu den süßlichen Klängen einer japanischen Variante von Oh, Tannenbaum fröhliche Wiederauferstehung feiern, als fielen Weihnachten und Ostern auf einen Tag.
Franzobel, der anarchistische Experimentallyriker und Bertl Mütter, sie bildeten ein ideales Duo für die gemütvolle Zerlegung des Weihnachtsmythos in feinste kleine Stücke. Ob nun Franzobel verkündete "Ich habe das Christkind geschlachtet, das Christkind war alt und schwach", ob der Stegreifposaunist Bertl Mütter mit reichlich schrägen Weihnachtsliedern und einer Conférence, bei der sich Wiener Schmäh und Buster Keaton Unerschütterlichkeit glücklich ergänzten, durchs Programm führte, der Abend "woar a Hetz".
Bei dem Auftritt der beiden Künstler verschmolzen Pop- und Hochkultur, Wort- und Tonakrobatik mit kruden Fundstücken aus der Wirklichkeit zu einem gleichermaßen intelligenten wie saukomischen Ganzen, zu einer Comedy, wie wir sie freilich noch nie gehört haben. Ein Geniestreich geradezu, dass ganz zum Schluß der Veranstaltung, als die Zuhörer schon lachend gingen, jene eingangs erwähnte japanische Mädchenstimme zu süßen Streicherklängen Oh, Tannenbaum sang. Das Lied übersteht alles, sogar das Japanische. Und Franzobel und Bertl Mütter wissen das."
Hannes Hansen, Kieler Nachrichten, 6.12.2006
"es weihnachtete...
Zwei Männer und eine Posaune stehen mit ihren Schatztruhen und Zauberkisten auf der Bühne, die Bühne selbst ist ein Zauberkasten, in dem musiziert, gelesen und mit einer umwerfenden Freude am Spielen gespielt wird. Eben schau - gespielt: mit Sprachwitz und Sprachschöpfungen, Sternspritzern und einer Schere. Magische Momente kann man nicht bestellen, die passieren einfach."
Maria Sweeney, Radio FRO, Linz, 21.12.2007
