Dimitré Dinev- Pressestimmen

" Dinev, dieser begnadete Erzähler, hat mit seinem ersten Stück für ein großes Haus einen echten Treffer gelandet, die Inszenierung von Niklaus Helbling, dem ein lustvoll agierendes Ensemble zur Verfügung steht, macht diesen langen Theaterabend phasenweise zu einem zauberhaften Erlebnis."

Die Presse, 16.4.2007

„Geschichten und Musik vom Balkan in Wien

Der Autor des zu recht gefeierten Romans „Engelszungen“, Dimitré Dinev, gastierte in der Reihe „Jazz & Literatur“ am Sonntag (18.3.) im Jazzit. Für den Jazz sorgten seine bulgarischen Landsleute, das „Wladigeroff Trio“.

Die Mischung aus Lesung und Konzert ist immer gut, vor allem dann, wenn sie so aufeinander abgestimmt ist wie diesmal. Dimitré Dinev lebt seit 1990 in Wien und schreibt (auch) in deutscher Sprache. Von „heimatlosen Neueuropäern“ handeln seine Texte. Im Roman entsteht in der Tradition der großen russischen Erzähler ein faszinierendes Panorama bulgarischer (und europäischer) Geschichte, die ebenso scharf wie liebevoll gezeichneten Figuren bleiben unvergesslich.

So auch der Balkan-Mafioso Miro, dessen Grab am Wiener Zentralfriedhof zum Wallfahrtsort der Asylsuchenden wird. Damit begann Dinev seine Lesung, nachdem die Musikanten „die Lieblingsmusik des Genossen Schiffkoff“, echten Folk Jazz, so mitreißend gespielt hatten, dass man den ehemaligen KP-Chef Bulgariens gut verstehen konnte.

Dinev ist ein Leser, der seine Texte mit natürlichem Charisma und Charme präsentieren kann. Der vertraut gewordenen fremden Sprache gewinnt er hintergründigen Wortwitz und wunderschöne, meist von dunklem Humor geprägte Bilder ab, die Personen seiner kurzen Erzählungen erscheinen plastisch im Raum. Wenn eine Gruppe von Bauarbeitern aus Wien, wo der Balkan bekanntlich am Rennweg beginnt und sich Angehörige aller südöstlich davon gelegenen Nationen einschließlich der Ostösterreicher brüderlich mischen, sich zur Totenwache am Sarg eines bulgarischen Kollegen versammelt, entsteht ein schnapsseliger Totentanz voll wirklich „fröhlichem Pathos“. Und die „Zigeunermusik“ spielt dazu.

Wenn ganze fünf Minuten mit einer „Radiogeschichte“ zu füllen sind, ist Dinev um kuriose, aber den abgetakelten und doch manchmal nostalgisch beschworenen Glanz des real existierenden Sozialismus doppelbödig beschwörende Einfälle nicht verlegen. Ein grandioser Geschichtenerzähler, der zwischen den Zeilen viel zu sagen hat über die Abgründe des Menschlich-Allzumenschlichen.

Die liebenswürdig bulligen Brüder Alexander (mit einer, mitunter gar gleichzeitig zwei Trompeten und zwischendurch Perkussionist) und Konstantin Wladigeroff (mit allen Keyboard-Wassern gewaschen) sowie der lange Feschak Dimitar Karamitev (ein Virtuose auf der bulgarischen Hirtenflöte Kaval) sorgen zwischendurch für erdige Klänge. Musik, die all ihre Inspiration, ihre archaische Kraft und ihre unwiderstehlichen Rhythmen aus der Volksmusik der Südslawen und der Roma bezieht – wozu die unaufdringliche „Jazz-Montage“ gar nicht übel passt. Einfache, aber gar nicht einfältige Musik zwischen abgründiger Melancholie und hitzigem Temperament. Das Publikum erklatschte Zugaben – sowohl vom Autor als auch von den Musikern. Und Dimitré Dinev zündete sich am Podium mit einer an seine Figuren erinnernden Unmittelbarkeit genussvoll eine Zigarette an. Nicht einmal die fanatischsten Nichtraucher konnten ihm wohl böse sein.“

                                                    19.03.07, JAZZIT/ LITERATURHAUS, Gottfried Franz Kasparek

 

"Die Geschichten von Dimitré Dinev sind schwer nachzuerzählen, sie schlagen Haken, wie Hasen auf der Flucht. Sie umfassen mindestens ein Menschenleben, manchmal gehen sie über Jahrhunderte, entwickeln sich richtiggehend zur Familiensaga, ohne aber ausufernd zu werden. Dinev erzählt mit der fast-forward-Taste, hat einen Hang zum Skurrilen, auch zum magischen Realismus, ein bisschen in der russischen Erzählhaltung, die im Sinne Gogols zwar nah an der Gegenwart bleibt, die aber voller Abgründe und phantastischer Entgleisungen ist. Ein Hals über Kopf verliebter Polizeiinspektor lässt eine Handtasche für seine Angebetete anfertigen, dass sie aus der Haut ihres Geliebten ist, weiß diese natürlich nicht. Bald sind die beiden Protagonisten tot, die Geschichte der Handtasche und welch magische Momente diese auslöst, geht aber noch lange weiter. Man mag sich von der Thematik ein wenig an Roald Dahl erinnert fühlen, obwohl Dinevs Erzählungen weniger unheimlich sind."

Karin Cerny, www.literaturhaus.at

 

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