Des Ano - "Film Noir"

Der Schatten, der Tanz und das Lied

Sie haben sich rar gemacht: nach der begeisterten Aufnahme des ersten Programms „paradies“ und nach wenigen handverlesenen (doch stets ausverkauften) Auftritten in den letzten Jahren präsentieren die Musiker des legendären Ensembles Des Ano nun ihr zweites Programm „film noir“ ab 2. November im Rabenhof Theater.

Des Ano versteht sich als Fortsetzung einer typisch österreichischen Musik- und Literaturtradition, jenes vor allem so wienerischen Zusammenspiels von Poesie, Musik, Modernität und Performance, das mit Namen wie Abraham a Sancta Clara, mit Nestroy, Jandl, Bayer, Artmann und Qualtinger untrennbar verbunden ist.

"DIE ZEIT" schrieb, dass "die schwarze Wiener Schule der Trauer, der Melancholie, der Musikalität, der lauernden und manchmal zeternden Gemeinheit" in Max Gruber, dem Spiritus Rector der Gruppe, "ihren neuen Hauspoeten gefunden zu haben scheint." Ebendieser hat nun "film noir" gemeinsam mit Claus Riedl, dem musikalischen Mastermind des Ensembles, sowie den bewährten und kongenialen MitstreiterInnen Peter Havlicek, Walther Soyka und Traude Holzer entwickelt.

Das neue Programm enthält unter anderem ein Wiegenlied, das nie an einer Wiege gespielt werden darf, ein Liebeslied mit einem ungewöhnlichen Adressaten und die mörderische Trilogie „der schatten der tanz und das lied" (letzteres eine besondere Verneigung vor H.C. Artmann). Der Titel des Programms verweist auf den Des Ano-typischen Farbton: der Botenstoff ist wie immer die schwarz gefärbte Tinte, in der das Drehbuch zum "schwoazzen füm" des Lebens verfasst wurde, dessen Hauptdarsteller wir selbst sein sollten, denen ein Happy End verwehrt ist - denn am Ende steht immer der Tod.

Zwischen radikaler Illusionslosigkeit über die Abgründe der menschlichen Seele und der zeitlosen Überlebensnotwendigkeit von Humor liegt für Des Ano das heutige Wien als Themenpark und Spielwiese. Die offenen und versteckten Fouls des Lebens werden nicht übergangen, dieses dunklen Universums, in dem sich der Diplomspießer und die aufgeblasene Gespielin auf der Besetzungsliste finden und von Heimsuchungen wie vorzeitigem Spracherguß und der Monotonie des Dauerogasmus zu berichten ist.

Des Ano ist dem Diktum Godards verpflichtet, dass nur das Regionale weltweit gültig ist und so betreibt das Ensemble keine Brauchtumspflege, sondern denkt eine vernachlässigte Tradition radikal weiter. Der Forderung Ezra Pounds folgend, dass „Gedichte Pistolenschüsse in den Himmel“ zu sein haben, schießt Des Ano weiter scharf in die Luft und hofft, dass durch die Lücken im Firmament ein scharfer Wind strömt...

Des Ano war das erste der durch das Festival "wean hean" initiierten "crossover"-Projekte, die seit Herbst 2000 jährlich entstehen. Durch die Kombination des in Los Angeles ausgebildeten Regisseurs, Autors und Lyrikers Max Gruber mit den ehemaligen "Extremschrammlern" Claus Riedl und Walther Soyka, zusammen mit Traude Holzer und Peter Havlicek, die Jazzerfahrung besitzen, wurde das Improvisieren in sprachlich wie musikalisch explizit wienerischen Idiomen möglich. Schon nach dem zweiten Auftritt - 2001 im "Rabenhof Theater" - erhielt das Ensemble einen Plattenvertrag mit Preiser Records. Von der daraus entstandenen CD "paradies" wurden bis heute mehr als 2.000 Stück verkauft. Konzerte im (u.a.) Radiokulturhaus, Porgy&Bess, Rabenhof Theater, Wien Museum sowie ein Live-Auftritt in "Treffpunkt Kultur" wurden von Publikum und Kritik euphorisch aufgenommen.

von links nach rechts: Peter Havlicek, Walther Soyka, Max Gruber, Claus Riedl, Traude Holzer

 

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