Agnes Palmisano - Pressestimmen
"Souverän, virtuos, unbeirrbar. Erbarmunsgslos verhönhend, aber dann verletzlich und herrlich risikofreudig - fast gehen mir die Adjektive bei Agnes Palmisano aus. Doch ein Wort fasst alles zusammen, was auf dieser CD geboten wird: lustvoll.
Das schließt natürlich Roland Sulzer und Peter Havlicek mit dem Duell "Mei Vater hat g'sagt" mit ein. Peter Havlicek ist mit dem anmutigen Tanz "Lepschi" sowie einer Vertonung von Fiakermillis "Ich bin halt noch so unerfahr'n" auch als Komponist vertreten.
Innig und verträumt - ist's gar die erste Liebe? - wird "'s Grüaberl im Kinn" besungen; aber mit welch routinierter Endgültigkeit werden hied die bedauernswerten Pokornys und der ewige Verlierer, der Novotny, abgefertigt! Schaudernd erlebe ich bei jedem Hören die nahtlose Verwandlung des kecken "Dur"-Kuckucks (trad.) in Mahlers toten "Moll" - Kuckuck ("Ablösung im Sommer" aus Des Knaben Wunderhorn). Gewagt - gelungen.
Irgendwie landen wir mit dem Schlusslied - Schuberts "Auf dem Wasser zu singen" nicht gerade dort, wo wir mit Track 1 ("Der Lobdudler") angefange haben...oder doch? In diesen Halbwelten gibt es viele fließende Übergänge. Doch keine Angst: wer sich auf die musikalische und sprachliche Viellfalt dieser CD einlässt wir bald zum Eingeweihten. Denn hier ist die Rede vom "Wiener Lied". Und das soll kein Tippfehler sein!"
Magdalena Pemberton
"Agnes Palmisano lässt das Wienerlied in alter Frische wieder auferstehen. Worin liegt nun der ganz spezielle Reiz des Wienerlieds? Ein sehr bekannter österreichischer Musikritiker, Franz Richter, ein wie er selbst von sich sagt, "alter Bluesfan", meinte am Tag der Präsentation der CD im knallvollen Heurigenlokal Hengl-Haselbrunner: "Ich weiß eigentlich selbst nicht, warum ich hier bin. Aber irgendwie ist das Wienerlied eben auch Blues, und zwar der Blues der Wiener. Ich kann mir nicht helfen, mir gefällt es." Gefallen hat es auch allen anderen, als die Ausnahmesängerin Agnes Palmisano die Lieder ihrer neuen CD "Wiener Halbwelten" live präsentierte. Die Spezialität von Agnes Palmisano ist der Dudler, jene Form des Jodlers, der in Wien zu Hause ist und den Trude Mally perfektionierte und zur Kunstform erhob. Trude Mally ließ es sich auch nicht nehmen, ein Duett mit Agnes Palmisano zu singen. Auch Tini Kainrath von den "Rounder Girls" und der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny fanden sich auf der Bühne für ein Duett ein.
Auf der CD mischt Agnes Palmisano mit ihren formidablen Begleitern Roland Sulzer an der Harmonika und Peter Havlicek an der Kontragitarre altes mit älterem und ganz neuem. Neben den bekannten Kompositionen wie "Die Pokornys" und "Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn", sowie "Ich kann den Nowotny nicht leiden" mit den Texten von Hugo Wiener finden sich auf der CD auch etliche Dudler - "'s Grüaberl am Kinn" steht hier stellvertretend für alle anderen - und neue Kompositionen von Peter Havlicek und Christian Tesak.
Der "Wiener Blues" hat also nicht nur eine Vergangenheit und eine Gegenwart, er hat auch eine Zukunft in der Person von Agnes Palmisano."
Alfred Krondraf, www.kulturwoche.at
„"Fiaker-Milli starb an Leberzirrhose": Dudeln auf höchstem Ganselhautniveau
Agnes Palmisano und die fast schon ausgestorbene Tradition des Wiener Jodelns
Trude Mally war bereits recht einsam mit ihrer Kunst. Galt sie doch als die allerletzte Dudlerin – und also die Wiener Art des Jodelns und Stimmüberschlagens als akut vom Aussterben bedroht. Doch neuerdings befindet sich die Doyenne des Wienerliedes wieder in guter stimmlicher Gesellschaft – und wenn es sich um Agnes Palmisano, der jüngsten Nachwuchsdudlerin von Wien handelt, sogar in allerbester. Auch wenn Palmisano bei der Präsentation ihrer jüngsten CD "Wiener Halbwelten" am Dienstagabend im krachvollen Hengl-Haselbrunner wiederholt betonte, dass man eine Trude Mally nicht kopieren könne – so ist das ja auch nicht das Thema. Palmisano ist ohnehin bereits eine Dudel-Liga für sich, da kommt nämlich einiges zusammen.
Dudel-Philosophie
Ihre Ausbildung im klassischen Gesang etwa, die ihr beim wienerischen Jodeln Stimmmodulationen auf höchstem Ganselhautniveau ermöglicht. Das kommt zart daher, schlägt plötzlich um ins Deftige – und entspricht so voll und ganz der Dudel-Philosophie: "Das Dudeln verbindet – die Höhen und Tiefen, das Feine und Derbe, das Süßliche und Tiafe", bringt es Palmisano auf den Punkt. Dazu noch beste Entertainmentqualitäten, wenn sie etwa erklärt: "Die legendäre Fiaker-Milli wurde oft mit der Kameliendame verglichen. Nur: Die Kameliendame starb an Schwindsucht – die Fiaker-Milli an Leberzirrhose." Das Wichtigste ist aber, dass dieser allgemeine neue Aufschwung des Wienerliedes, in dem sich Palmisano bewegt, vielleicht Reminiszenzen bietet, aber keine aufg'wärmte Sentimentalität ist. Da wird erneuert – und manchmal werden Querverbindungen gewagt, die sich abseits des geschmäcklerischen Main_streams bewegen. Wenn etwa das Kuckucks-Wienerlied mit jenem aus "Des Knaben Wunderhorn" von Gustav Mahler gegengeschnitten wird.
Der Rounder-Dudler
Da gibt es musikalische Auffrischungen der Tradition – wenn beispielsweise Palmisano mit Tini Kainrath von den Roundergirls gemeinsam dudelt, da schwingen gleich noch ganz andere Stilregionen im Jodelgesang mit. Oder es sind Novitäten im Text – wenn die Tradition des "Gstanzl-Singens" (Vierzeiler mit Pointe) durch "Die besten U-Bahn-Gstanzln" erfrischt wird, die jüngst Roland Neuwirth in einem Buch veröffentlichte: "Da liegt ana am Gleis / und da steht ana danebn / der schreit: Des is a Kurzzug / da bleibn S' am Leben!" Immer wieder bittet Palmisano Kollegen auf die Bühne, um gemeinsam mit Roland Sulzer an der Harmonika und Peter Havlicek an der Kontragitarre immer neue Facetten zu eröffnen. Robert Kolar etwa mit "Mei Krawatten hängt an deiner Autotür ... siehst, so häng i an dir".
"Weil i so fesch bin"
Und dann die kleine Grande Dame der Dudlerei: "Mir zwa singan auf Duett", bestimmt Trude Mally, die von Palmisano als ihre "strengste Lehrerin" vorgestellt wird. Das Podium verweigert sie, "i bleib da unten, weil i so fesch bin". Auch das Mikrofon will sie nicht, "Trude singt unplugged", heißt es. Aber vorher gibt sie noch den Einsatz: "Herr Tonmeister, hau'n S' eine." Es war ein langer Lebensweg bis hierher. 1938 war Mally bereits das erste Mal als zehnjähriges Wunderkind mit ihrer berühmten Dudel-Tante Ady Rothmayer aufgetreten. Nur eine Platte hat sie aufgenommen – das war 1948. Jetzt besingt sie mit schon etwas zarterer Stimme "'s Grüaberl im Kinn" – und irgendwie hat Palmisano schon recht, wenn sie meint: "Man kann der Trude Mally nicht oft genug zuhören, um herauszufinden, was sie da eigentlich macht."
Roman David-Freihsl, Der Standard
"Die Kehlkopfakrobatin
Sie ist die jüngste Dudlerin der Stadt: Agnes Palmisano hilft mit, eine alt-wienerische Singart vor dem Aussterben zu retten.
...Ein Stückchen vom Mythos von damals sei dem Wiener Dudler bis heute geblieben, sagt Palmisano. "Nach einem Auftritt werde ich oft gefragt: Wie machst du das nur?" Dabei könne rein kehlkopftechnisch jeder Mensch dudeln. "Da ist wirklich nichts dabei, man muss nur einen entspannten Zugang dazu haben." Hört man die quirlige 32-jährige singen, klingt das aber ganz und gar nicht so, als könne ihr das irgendjemand nachmachen. Höhe und Tempo ihrer Wienerliedinterpretationen sind zum Teil schwindelerregend...
...Mitte Oktober erscheint Palmisanos neue CD, die sie gemeinsam mit dem Gitarristen Peter Havlicek und dem Akkordeonisten Roland Sulzer aufgenommen hat. Auf "Wiener Halbwelten", so der Titel, interpretiert das Trio neben traditionellen Dudlern auch Kabarettlieder - zum Beispiel Hugo Wieners "Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn"..."
Martina Stemmer, Falter, 27.9.2006
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Agnes Palmisano ist irre fleissig... Gemeinsam mit Roland Sulzer und Peter Havlicek musiziert sie jeden ersten Donnerstag im Monat im Café Prückel, und die drei spazieren dabei locker zwischen Dudelei, Wienerlied und Kammermusik umeinander, dass es nur so eine Freud ist...
Und wenn man das Mozartjahr mit einem Schubertlied beginnt, ist das ja nicht nichts. Sondern sehr, sehr gut. Erstens weil "Auf dem Wasser zu singen" mit Akkordeon und Kontragitarre wunderbar klingt, und zweitens der Schubert Franzl schließlich auch in Wien-Lieder schrieb. Wienerlieder eben. Vormerken: Am nächsten ersten Donnerstag im Prückel vorbeischauen. Unbedingt. "
Christopher Wurmdobler, Falter, 13.1.2006
„„Wienerley“ (Preiser Records) vermittelt die aufregende, spannende Bekanntschaft mit einer Stimme, die auf Basis klassischer Schulung, mit perfekter Intonation in imponierender Leichtigkeit Wienerlieder und Kabarett-Chansons zur Demonstration virtuoser Vortragskunst nutzt. Agnes Palmisano singt hochdeutsch und Dialekt, jodelt und „dudelt“, gibt einem Kreisler-Klassiker modernen Sound und fühlt sich (gemeinsam mit ihren Instrumental-Partnern Roland Sulzer und Peter Havlicek) auch in der Vorstadt wohl. Fabelhaft!“
Karl Löbl, Kurier
"Und ein paar Farbflecke gab es ja auch. Agnes Palmisano und ihren beiden Musikern Roland Sulzer (Akkordeon) und Peter Havlicek (Kontragitarre) gelangen sogar derer drei. Denn sie verließ sich bei ihren Interpretationen nicht nur auf die vermeintlich ablaufsdatumsfreie Wirksamkeit altbekannter Klassiker. "Verrückt nach Verrückten" zählt nicht zu Bronners bekanntesten Liedern. Kreislers "Bidla Buh" verpasste sie einen adaptierten Text. Und für die Darbietung von Hugo Wieners "Man kann mit den Pokornys nicht verkehren" schlüpfte sie in die Rolle eines herzig unterbelichteten Hausmädchens.“
Peter Blau, kabarett.at über die Kabarett-Gala in der Wiener Volksoper
Agnes Palmisano versteht es wie keine andere, die Grenzen zwischen E- und U- Musik aufzulösen…Ihr Wechsel vom Volkslied zum Kunstlied macht es dem Zuhörer schwer, sie in ein „Laderl“ zu schieben. Ob man will oder nicht, Agnes Palmisano und ihre Begleiter fesseln und begeistern das Publikum.
NÖ Anzeiger, 13. Juli 2005
Agnes Palmisano ist eine der jüngsten Sängerinnen, die das Dudeln beherrscht…Mit ihrer grazilen und charmant natürlichen Erscheinung, ihrer stimmlichen Brillanz und Darstellungsfähigkeit, den Jodlern in allen Lagen ist sie ein Konglomerat von Superlativen, die jedes, auch das unmusikalischste Herz zum Schmelzen bringen kann…
Vaterland (Fürstentum Liechtenstein), 1. August 2005
