Agnes Palmisano
Agnes Palmisano lässt sich nicht einfach in vorgefertigte Schemata einordnen. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit als Sonderschullehrerin studierte sie klassischen Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Dort entdeckte sie im Zuge eines Seminars den „Wiener Dudler“, jene seltsame Mischung aus Jodler und Koloraturgesang und begann, das vom aussterben bedrohte Genre wiederzubeleben.
Von Anfang an widerstand sie der Versuchung, alte Aufnahmen zu kopieren. Mit ihrem frischen Zugang zur Materie machte sie schnell selbst die Größen der Wiener Szene - etwa Wienerlied-Reformator Roland Neuwirth, Dudel-Legende Trude Mally, Kabarett-Altmeister Gerhard Bronner - auf sich aufmerksam, und lernte in musikalischer Zusammenarbeit von ihnen.
Agnes Palmisano liebt die Vielfalt: Wie keine andere vermag sie zwischen den verschiedenen Genres hin- und her zu springen, ihre Stimme klingt klassisch oder auch bluesig, in schwindelnden Höhen und finsteren Tiefen, lieblich oder derb. Sie hebt die Trennung zwischen E- und U-Musik, zwischen „Volkslied“ und „Kunstlied“, zwischen alt und neu wieder auf und findet so die tatsächliche Verbindlichkeit: den viel zitierten „Wiener Klang“.

© Sepp Dreissinger
